Franz Müntefering zum Tode von Papst Johannes Paul II.

Veröffentlicht am 03.04.2005 in Allgemein

Dem Kollegium der Kardinäle, den Katholikinnen und Katholiken in aller Welt, vor allem aber auch den deutschen Katholiken, spreche ich anlässlich des Todes von Papst Johannes Paul II. meine herzliche Anteilnahme und die der deutschen Sozialdemokratie aus.

Papst Johannes Paul II. war ein großer Papst, der über ein Vierteljahrhundert lang, in einer Zeit tiefer Umbrüche und Veränderungen, die Katholische Kirche in seiner Art geführt hat. Er war ein Gestaltender, der auf wichtige Entwicklungen, die diese Zeit prägten und für die Zukunft bedeutsam sind, mit Weitsicht und Klugheit Einfluss genommen hat.

Als Papst Johannes Paul II. ins Amt kam, war die Welt in Ost und West gespalten, standen sich die Großmächte in ihrer Einflusssphäre in einem zutiefst bedrohlichen Konflikt gegenüber, der angesichts der drohenden Potentiale atomarer Waffen nicht nur den Frieden, sondern das Überleben der Menschheit gefährdete. Unser eigenes Land, Deutschland, war seit langem in zwei Teile gespalten. Durch das Land und mitten durch die Stadt Berlin zog sich eine kaum überwindliche, trennende Grenze.

Schon die Tatsache, dass mit Karol Wojtyla zum ersten Mal ein Mensch slawischer Herkunft das Petrusamt ausübte, hatte Auswirkungen auf den Ost-West-Konflikt, vor allem auf die Entwicklung in seinem polnischen Heimatland. Die Solidarnosc-Bewegung als freiheitliche Arbeiterbewegung, ein erster mächtiger Erfolg bürgerlicher Initiativen in Osteuropa, wäre nicht denkbar gewesen ohne die Anteilnahme, die der Papst und die Weltkirche an diesen Entwicklungen nahmen.

Mit diplomatischen Gesprächen und persönlicher Festigkeit förderte Johannes Paul II. den Friedensdialog und trat mit Nachdruck für die Überwindung der unmenschlichen, der Freiheit und der Würde des Menschen widerstrebenden kommunistischen Diktaturen ein. Das war zu einer Zeit, als niemand voraussehen konnte, dass 1989 die kommunistische Herrschaft zusammenbrechen und durch freiheitliche Entwicklungen abgelöst werden würde, dass die deutsche Teilung überwunden und die Einheit Deutschlands möglich würde. Der Beitrag, den der Papst dazu leistete, wird unvergessen bleiben.

Von Anfang an hat sich Johannes Paul II. in besonderer Weise für die Katholische Weltkirche verantwortlich gefühlt. Wichtigsten Anteil daran hatten die Pastoralreisen, die er bis in die letzten Jahre seines Lebens hinein fortsetzte und die in vielen Ländern der Welt wichtige Impulse gegeben haben. Nicht hoch genug kann die Ermutigung eingeschätzt werden, die von der großen Anteilnahme des Papstes am Schicksal der Menschen in den Entwicklungsländern Lateinamerikas, Afrikas und Asiens ausging. Maßstäbe hat er auch in der Erneuerung des Verhältnisses zwischen Juden und Christen gesetzt. Antisemitismus jedweder Form verurteilte er als Sünde gegen Gott und die Menschen.

Die Verantwortung Europas und der Staaten der Ersten Welt für das Geschick der ganzen Welt bewusst zu machen, war das Ziel der Soziallehre Johannes Pauls II.. Nicht weniger hart und eindeutig als früher die freiheitswidrigen Ausformungen der kommunistischen Diktaturen, geißelte er die Auswüchse eines unbeschränkten Kapitalismus als dauernde Verletzung der Menschenwürde. "Strukturen der Sünde" nannte er die so genannten Gesetzmäßigkeiten des Wirtschaftslebens, die zu immer neuer und immer mehr Unterdrückung menschlicher Gestaltungsmöglichkeiten führen. Nachdrücklich reklamierte er das Recht aller Menschen auf gemeinsamen Anteil an den Erdengütern, auch das Recht der Menschen künftiger Generationen.

Als "Kultur des Todes" bezeichnete er die immer wieder zu beobachtende Tendenz, das Lebensrecht der Schwachen aufs Spiel zu setzen, sei es durch das Vorenthalten der wichtigsten Lebensgrundlagen, der Mittel zur Selbsthilfe, der Möglichkeiten der Bildung, sei es durch Zerstörung menschlichen Lebens noch vor der Geburt. Vielen war die Unerbittlichkeit, mit der der Papst die Fragen des unbedingten Lebensschutzes gerade in den Phasen vor der Geburt unterstrich und festhielt, schwer verständlich. Die Unteilbarkeit der Menschenwürde und die Heiligkeit des Lebens eines jeden Menschen, hatten in ihm einen nachhaltigen Verteidiger.

Die große und hohe Bedeutung dieses Pontifikats war im Verständnis vieler Menschen nicht frei von Widersprüchen. Die ökumenische Gemeinsamkeit der in viele Konfessionen getrennten Christenheit war das Hauptziel des Papstes und dennoch haben viele darunter gelitten, dass die römische Kirche sich in wichtigen Fragen der Verständigung und praktischer Gemeinsamkeit nicht weiter öffnete. Aber tief ergreifend war die Bitte des Papstes um Vergebung, gerade gegenüber den getrennten Christen - ebenso wie die nachdenklichen Aussagen über sein eigenes Amt, das eines der entscheidenden Hindernisse auf dem Weg zur Einheit darstelle, wie er es in der Enzyklika "ut unum sint" äußerte.

Nicht weniger wirksam als sein Wirken und Lehren war das Beispiel, das der Papst bis in seine letzten Tage hinein als kranker und leidender Mensch gegeben hat. Er hat damit viele Menschen ermutigt und bewiesen, dass Krankheit und Schwäche einem Menschen nicht die Würde nehmen können. Nicht nur Katholiken und nicht nur Christen in aller Welt bringen diesem tapferen, von seinem tiefen Glauben getragenen Mann Respekt und Sympathie entgegen. Er war nicht nur ein bedeutender Kirchenführer, er war eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die vielen Menschen Orientierung gab.

Wir verneigen uns vor Johannes Paul II. und seinem Lebenswerk.

 

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