AWO und SPD suchen mit Müttern und Expertinnen nach Lösungen

Veröffentlicht am 22.05.2016 in Gesellschaft

Arbeitsmarkt muss hochqualifizierten

Alleinerziehenden Chancen geben
 

„Wir brauchen keine Arbeitsmarkt-konforme Kinderverwahrung, sondern einen Kindeswohl-orientierten Arbeitsmarkt!“ Dieses Fazit zog eine Besucherin aus der Diskussion „Alleinerziehend – aber nicht allein gelassen“, zu der die AWO EN und die EN-SPD in das Gevelsberger Bürgerhaus „Alte Johanneskirche“ eingeladen hatten.

„Viele Alleinerziehende meistern ihre Aufgaben gut, obwohl sie dabei oft über ihre Belastungsgrenzen hinaus wachsen“, hatte der SPD-Unterbezirksvorsitzende Hubertus Kramer in seiner Begrüßung gesagt: „aber warum sind 45 Prozent auf Hartz IV angewiesen?“ Bei Paaren mit Kindern seien es nur sieben Prozent. Um das zu ändern, sei „ein ganzes Bündel an Maßnahmen“ nötig. „Wir haben noch keine Lösungen“, sagte AWO-Geschäftsführer Jochen Winter. Er hoffe, dass durch diese Diskussion, die als Auftakt einer Reihe von Veranstaltungen gedacht ist, wenigsten „die eine oder andere“ Lösung gefunden wird.
 

Im Gespräch mit Hubertus Kramer schilderten drei Mütter, welche Schwierigkeiten sie haben oder hatten, Berufstätigkeit und Kinderbetreuung zu vereinbaren. Trotz anderer Absprachen verlangte ein Arbeitgeber zum Beispiel eine hohe zeitliche Flexibilität, während die Kindertagesstätten feste Zeiten haben. Ramona Lippke vom „Aktivcenter Alleinerziehende“ bei der AWO machte auf ein anderes Problem aufmerksam: „Bei der 45-Stunden-Betreuung in Kitas werden Berufstätige bevorzugt, Alleinerziehende brauchen aber auch solche Plätze, wenn sie in den Beruf wieder einsteigen wollen.“


Wie man die Betreuung in den „Randzeiten“, also am frühen Morgen oder am späten Nachmittag sicherstellen könne, wollte Jochen Winter in einer Talk-Runde mit Expertinnen wissen. Mit Tagesmüttern werde das durchaus schon gemacht, sagte Nadine Rübel von der AWO- Servicestelle Kindertagespflege in Witten. Doch auch hier gibt es bürokratische Hürden: „Wenn die Tagesmutter ins Haus kommt, ist sie nicht mehr selbstständig, sondern Angestellte der Mutter“. Das überfordere alle. Christel Hofschröer, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Gevelsberg, sagte, das „Netzwerk für Eltern“ habe das Problem auf eine ganz einfache Formel gebracht: „Alleinerziehende sind arm dran, weil sie Frauen sind.“ Es sei wichtig, ihnen einen frühzeitigen Wiedereinstieg in den Beruf zu ermöglichen und sie dabei zu fördern.“

Dass es daran mangelt, wusste auch Jochen Winter: „Die meisten Frauen, die ihre Ausbildung – ob Beruf oder Studium – wegen eines Kindes unterbrechen, machen sie nie fertig.“ Isabell Mura, Geschäftsführerin der Gewerkschaft „Nahrung Genuss Gaststätten“ (NGG), ergänzte, dass Frauen in ihrem Bereich fast ausschließlich im Niedriglohn-Sektor beschäftigt sind: „Teilzeitarbeit ist kompatibel mit der Erziehung, reicht aber nicht zum Leben.“ Es fehle – mit wenigen Ausnahmen – an der Flexibilität der Arbeitgeber, und die Beschäftigten hätten Angst, sich für ihre Rechte einzusetzen, weil sie mit befristeten „Ketten-Verträgen“ angestellt sind. Jonbcenter-Chef Heiner Dürwald musste einräumen, dass er nicht genug Personal habe, um die „komplizierten Sachverhalte“ bei der Vermittlung von Alleinerziehenden ausreichend zu bearbeiten.
„Viele Menschen durchblicken das Dickicht der Gesetze nicht“, wusste die Gevelsberger SPD-Vorsitzende Elke Kramer aus ihrer beruflichen Erfahrung beim Beschwerdemanagement der Stadt Hagen: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt – bis sie ein Kind bekommen.“ Man müsse die Arbeitgeber, aber auch die Väter in die Pflicht zu nehmen, anstatt über den Fachkräftemangel zu klagen, forderte Elke Kramer: „Wir haben viele hochqualifizierte Mütter, denen man nur eine Chance geben müsste.“
 

 

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