Resolution zur Schließung der WR-Redaktion

Veröffentlicht am 08.02.2013 in Presse

Am 15. Januar 2013 hat die Geschäftsführung der WAZ-Mediengruppe in Essen mitgeteilt, dass sie zum 1. Februar 2013 die Redaktion der Westfälischen Rundschau schließen wird. Dies hat sie mittlerweile vollzogen.

Wenn die Darstellung der Journalistinnen und Journalisten der WR zutreffend sind, dürfen diese seit dem 1. Februar die bisherigen Redaktionsräume nicht mehr betreten. Räume, in denen sie teilweise über Jahrzehnte für die WAZ-Mediengruppe gearbeitet haben.

Praktisch über Nacht mussten Betriebsrat, Beschäftigte und Leserinnen und Leser am 15. Januar 2013 erfahren, dass eine Redaktion und damit eine Zeitung von einem zum anderen Tag ausgelöscht wird. Dabei handelt es sich um eine Zeitung, die ab März 1946 als Nachfolgerin des 1933 von den Nationalsozialisten verbotenen Generalanzeigers in Dortmund erschien und mit ihrer linksliberalen, gewerkschaftsnahen Ausrichtung nicht nur fester Bestandteil der Medienlandschaft des Ruhrgebiets und Nordrhein-Westfalens wurde, sondern durch die Arbeit ihrer Redaktion die Geschichte unseres Bundeslandes und der Bundesrepublik mit geschrieben hat.

Erinnert sei hier etwa an den engagierten Journalismus, mit dem die Westfälische Rundschau die Ost-Politik von Willy Brandt begleitet hat.

Einziges Ziel dieser aktuellen Entscheidung der WAZ-Mediengruppe ist und bleibt, die Profite des Unternehmens weiter zu erhöhen. Die besondere Verantwortung eines Verlegers für Pressefreiheit und Pressevielfalt und für die Menschen in einer bewährten Redaktion weicht hier in einer bisher auf dem deutschen Medienmarkt nicht da gewesenen Weise ausschließlich kapitalistischen Zielen. Es wird deutlich, dass dieser Geschäftsführung vollkommen egal ist, mit welchen Produkten sie Geld verdient.

Bekenntnisse der WAZ-Geschäftsführung zu Pressevielfalt und zur Verantwortung für Beschäftigte entpuppen sich als leere Worthülsen und bedeuten eine Schande gegenüber denjenigen, die in Jahrzehnten die Titel der WAZ-Mediengruppe in Redaktion und Verlag verantwortlich aufgebaut und gestaltet haben.

Von dieser Entscheidung betroffen sind 120 Redakteurinnen und Redakteure der WR sowie mehr als 150 weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihre Familien. Der Vorstand des SPD-Unterbezirks Ennepe-Ruhr betont hiermit seine Solidarität mit den Betroffenen.

Betroffen sind aber auch mehr als 120.000 Abonnenten, die ab dem 1. Februar 2013 mit einer üblen journalistischen Täuschung der WAZ-Mediengruppe als Kunden erhalten bleiben sollen. Der Titel „Westfälische Rundschau“ wird beibehalten, aber das Blatt mit den Inhalten bisheriger Konkurrenz-Medien gefüllt. „Eine Zeitung ohne Redaktion ist aber keine Zeitung“, hat dazu der Vorsitzende des DGB-Landesbezirks Nordrhein-Westfalen, Andreas Meyer-Lauber, ausgeführt.
Der SPD-Unterbezirk Ennepe-Ruhr beobachtet sehr aufmerksam, wie sich die Umwandlung der bisherigen WR/WP-Redaktionen im südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis (Redaktion Schwelm) sowie in der Redaktion Wetter/Herdecke entwickelt. Nach juristischer Auffassung des SPD-Unterbezirks Ennepe-Ruhr handelt es sich bei der Fortführung der Redaktionen unter WP-Führung eindeutig um einen Betriebsübergang, der als Folge die Weiterbeschäftigung der bisherigen Redakteurinnen und Redakteure bedeutet.

Der SPD-Unterbezirk Ennepe-Ruhr fordert den SPD-Landesverband auf, im Rahmen eines Medienkongresses insbesondere unter Beteiligung von Medienwissenschaftlern und Mediengewerkschaftern über Instrumente zum Schutz von Beschäftigten (z. B. durch Ausweitung der betrieblichen Mitbestimmung) und von Leserinnen und Lesern zu beraten und zu beschließen. Der Fall „Westfälische Rundschau“ darf sich nicht wiederholen.

 

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