„Wir stehen am Anfang eines Prozesses“

Veröffentlicht am 21.01.2015 in Kommunalpolitik

SPD-Kommunalpolitiker diskutieren Inklusion

Einen Aktionsplan zur Inklusion im Ennepe-Ruhr-Kreis hat der Fraktionsvorsitzende der SPD im Kreistag, Olaf Schade, angekündigt. Unter dem Titel „EN-inklusiv“ soll die Zukunftsaufgabe einer inklusiven Gesellschaft umfassend angegangen werden. Das kündigte Schade, auch Vorsitzender der SGK Ennepe-Ruhr, im Rahmen einer Informationsveranstaltung der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SGK) an.

Eine Gesellschaft für alle – EN inklusiv!“, lautete das Thema des Abends, an dem der Landtagsabgeordnete Josef Neumann (SPD) die sozialdemokratischen Rats- und Kreistagsmitglieder im Ennepe-Ruhr-Kreis über Entwicklung, Stand der Dinge und Perspektiven der Inklusion informierte. Deutlich wurde: Inklusion ist nicht nur ein Auftrag für die Schulen, sondern eine Querschnittsaufgabe für das gesellschaftliche Leben. Ziel des Prozesses sei ein breiter Bewusstseinswandel, so Neumann, der Sprecher der SPD-Landtagsfraktion für das Thema Inklusion ist: „Es ist normal, verschieden zu sein.“

„Wo es kommunale Aktionspläne gibt, wie die Stadt inklusiv gestaltet werden kann, sind wir erfolgreich“, schilderte Neumann seine aktuellen Beobachtungen. „Nach unsere Erfahrungen kostet es auch nicht mehr Geld“, sagte er. „Es geht eher darum die vorhandenen Ressourcen besser zu nutzen.“ Dabei gelte die Devise: „Nicht ohne uns über uns.“ Menschen mit Behinderungen sollten zur Mitwirkung und Teilhabe an dem Prozess aktiviert werden.

Mit Neumann diskutierten auf dem Podium Esther Berg, Koordinatorin des runden Tisches „Inklusion“ der Arbeiterwohlfahrt, Frank Hasenberg, Bürgermeister der Stadt Wetter, die erfolgreich einen Aktionsplan „Wetter inklusiv“ umsetzt, und Detlef Wapenhans, Beisitzer im SPD-Unterbezirksvorstandes und Mitinitiator der Arbeitsgemeinschaft „Selbst aktiv – Menschen mit Behinderung in der SPD“ im Landesverband NRW.

Detlef Wapenhans, der selbst körperbehindert ist schilderte anschaulich, dass Barrieren nicht nur materielle Hürden sind, die die körperliche Mobilität einschränken. Barrieren existieren auch in den Vorschriften und Verfahrensweisen, mit denen Menschen mit Behinderung zu kämpfen haben, um etwa notwendige Hilfsmittel zu bekommen.

Esther Berg forderte dazu auf, das Erfahrungswissen der Betroffenen zu nutzen und die Prozesse zur Beseitigung der Barrieren gezielt zu steuern. „Eine Steuerung der Umstrukturierungsprozesse“ und eine „professionelle Koordination aller am Prozess Beteiligen“ sei notwendig, um Veränderungen herbeizuführen.

„Inklusion fängt im Kopf an“, sagte Bürgermeister Frank Hasenberg, der von den Bemühungen und Fortschritten in Wetter berichtete. „Es muss das Bewusstsein dafür geschaffen werden, die bürokratischen Hürden abzubauen.“

Josef Neumann schilderte die Entwicklung an den Schulen in NRW, die zunehmend den verbrieften Anspruch auf inklusiven Unterricht umsetzen. Er nannte unter anderem die Zahl von 3200 zusätzlichen Lehrerstellen, die bis zum Schuljahr 2017/2018 zu schaffen seien. Zugleich lenkte Neumann den Blick auf die Inklusion im Beruf.

Er forderte mehr „Inklusionsgesellschaften“, in denen Menschen mit und Menschen ohne Behinderung zusammenarbeiten. Er appellierte aber auch an Unternehmer und Betriebe, Mut zu beweisen und die Bedingungen für Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen. Inklusion sei ein Menschenrecht, betonte Neumann. Dessen Verwirklichung dürfe nicht nur unter Kostengesichtspunkten diskutiert werden. Aber natürlich dürften Bund und Land den Kommunen nicht die Kosten aufbürden.

 

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