ASF trauert um eine couragierte Mitstreiterin

Veröffentlicht am 30.01.2004 in Arbeitsgemeinschaften

Zum Tod von Liesel Schäfer

von Karin Junker MdEP, Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) und Mitglied des Parteivorstandes:

Mit Liesel Schäfer hat die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) eine seit den Fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts unermüdlich für die Rechte der Frauen innerhalb und außerhalb der Partei kämpfende Genossin verloren.

Liesel Schäfer war keine Protagonistin der lila Latzhosen, nahm aber kein Blatt vor den Mund, wenn es um Diskriminierung von Frauen und sozial Schwachen ging. Als Sechszehnjährige betätigte Liesel Schäfer sich 1946 schon kurz nach dem Zusammenbruch Deutschlands bei den Falken, der Parteieintritt erfolgte 1951.

Mit der organisatorischen Modernisierung der Frauenarbeit in der SPD übernahm Liesel Schäfer 1970 den Vorsitz der ASF Pfalz, die sich unter ihrer (bis 1983 dauernden) Führung zu einer selbstbewussten und unternehmungsfreudigen Untergliederung entwickelte. Schon bei der Konferenzeröffnung - wie üblich durch einen männlichen Funktionsträger vorgenommen, der auch die Leitung der Konferenz zu übernehmen gedachte - gab es Zoff: Die Frauen um Liesel Schäfer forderten (und bekamen) eine weibliche Leitung.

Wenig später kam beim sogenannten Pfalztreffen auch der damalige Bezirksvorsitzende nicht gut weg: Auf sein Lob für Frauen, die sich aufopferten, um ihren Ehemännern die politische Arbeit zu ermöglichen, unterstellte sie ihm bissig eine konservative Haltung. Liesel Schäfer machte sich keine Illusionen, wie Frauen vom politischen Engagement profitieren könnten. „Immer mehr Frauen stellen sich uneigennützig der Partei zu Verfügung“, stellte sie fest, „ohne zu fragen, was es ihnen einbringt.“ Diese Uneigennützigkeit wurde auch ihr abverlangt. Sie wurde ein Opfer unter vielen, als Anfang der 1970er der minimale Minderheitenschutz für Frauen (mit Zustimmung der meisten Frauen) auf dem Bundesparteitag fiel. Die Hoffnung der Frauen, auch ohne Sonderrechte als gleichberechtigt in der Partei anerkannt und gewählt zu werden, schlug ins Gegenteil um. Nicht mehr, sondern weniger Frauen kamen in Amt und Würden. Liesel Schäfer verlor ihren Sitz im Parteirat.

Aber Liesel Schäfer gab nicht auf und, was viel zählt, sie verlor auch über Rückschläge nicht ihre Fröhlichkeit und Herzlichkeit. Getragen von ihrem Bezirk, wurde sie ASF-Landesvorsitzende in Rheinland-Pfalz, Mitglied des ASF-Bundesaus-schusses und schließlich des ASF-Bundesvorstandes, wo ihre Beiträge von den Erfahrungen einer Frau aus der Industriestadt Ludwigshafen geprägt waren. Mitte der 1990er Jahre verlagerte sie ihr Engagement zunehmend in die Arbeitsgemeinschaft 60plus, dessen Landes- und Bundesvorstand sie bis 2003 angehörte. Von 1995 bis 2001 vertrat sie die SPD-Seniorenorganisation auch im SPD-Parteivorstand als gewähltes Mitglied, wie immer um klare Worte nicht verlegen.

Der Sache der Frauen blieb sie verbunden, die Zusammenarbeit mit der ASF hatte Bestand. Nie vergaß sie darauf hinzuweisen, dass Frauen die Mehrheit aller Menschen stellen. Immer mahnte sie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Entwicklung einer eigenständigen Alterssicherung mit umfangreicher Anerkennung von Kindererziehungszeiten für Frauen an, denn: „Eine Abhängigkeit vom Partner, den es nicht immer gibt, muss vermieden werden.“ (Presseerklärung vom 22. April 1998), oder: „Das Niveau der materiellen Alterssicherung ist in den letzten Jahren zwar gestiegen. Nach wie vor sind viele ältere Frauen heute aber ohne eigenständige Alterssicherung, weil sie nicht berufstätig waren oder ihre Berufstätigkeit unter anderem wegen der Erziehung ihrer Kinder unterbrechen mussten. Das muss geändert werden.“

Es hat sich mit der Riester-Rente einiges zum Guten geändert. Die angestrebte Einführung von Unisex-Tarifen für die staatlich geförderte private Altersvorsorge war auch ihr ein wichtiges Anliegen, ebenso wie die Lösung weiterer sozialpolitischer Probleme, an der Liesel Schäfer nun nicht mehr mitwirken kann. Sie, der die Frauen in der SPD jeden Alters viel zu verdanken haben, wird eine schmerzliche Lücke hinterlassen.

Wir trauern um Liesel Schäfer.

 

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